Kurzbiografie

Ein paar Zeilen zu meiner Geschichte

Ich wurde am 26.10.1987 in Alba Iulia, Rumänien geboren.

Ein Jahr später floh mein Vater über Nacht vor dem kommunistischen Regime, die Familie hatte er zurückgelassen und niemand wusste, was mit ihm passiert ist. Nach dem Fall des Regimes, ca. 1 Jahr nachdem mein Vater verschwunden war und niemand von ihm was gehört hatte, kam ein Brief bei meiner Mutter an. Er hatte Asyl in Österreich bekommen und wollte seine Familie nachholen. Und so wurde aus einem rumänischen Kind ein sogenanntes Flüchtlingskind. 

Unsere Familie zog einige male um, bis wir schließlich in einem kleinen 300-Seelen-Dorf in der Obersteiermark landeten. Bärndorf.

Dort wuchs ich auf als „der Ausländer“. Kulturelle Integration war für meine Eltern schwer bzw. unmöglich. Ich nenne das heutzutage unintegriert-integriert. Obwohl mein Vater nie erwerbslos war und meine Mutter sich um uns Kinder kümmerte, fand unsere Familie nie wirklich Zugang zur österreichischen Kultur oder Gesellschaft. So lebten wir als 5-köpfige Familie mit einem Haushaltseinkommen von € 1.500,- isoliert in einem Dorf, umgeben von fremden.

Ich war das einzige ausländische Kind in meiner Volksschulklasse. Danach ging ich auf die Hauptschule in Rottenmann, ich hatte zwar nie Schwierigkeiten beim Lernen. Allerdings war ich verhaltensauffällig, vermutlich geboren aus den familiären Umständen.  Meine Eltern hatten selbst eine harte Kindheit hinter sich, geprägt von Armut, Gewalt und Alkohol. Vieles davon gaben sie ungefiltert weiter. Unsere Familie war kein Ort der Geborgenheit. Alkoholsucht, Misshandlungen und Gewalt prägten unseren Alltag.

Nach dem Beenden meiner Pflichtschulzeit schmiss ich die Schule, Hauptsache raus von zu Hause.

Ich begann eine Lehre als Kellner, zog aus und stand plötzlich auf eigenen Beinen, ohne zu wissen, wie dieses „Leben“ eigentlich funktioniert. Von zu Hause habe ich von der Außenwelt nur sehr wenig mitbekommen und in der Schule selbst gab es zu wenig Aufklärung über das Leben da draußen.

Ich verlor die Lehrstelle schnell, weil ich damals keinen wirklichen halt im Leben hatte und selbst in immer tiefere persönliche Probleme abrutschte. Danach hangelte ich mich von Job zu Job. Mein Leben geriet immer mehr aus der Bahn. Alkohol, Depressionen, die falschen Leute, wachsende Schulden. Drogen interessierten mich zum Glück nie, mein kleiner Bruder war da weniger immun hinsichtlich Rauschmittel. Er verlor sich in der Welt des Konsums und nahm sich im Drogenrausch das Leben. Einen Monat vor seinem 21. Geburtstag. Ich hoffe, seine Seele hat Frieden gefunden.

Mit 18 war ich hoch verschuldet, ohne Ausbildung, ohne Job, ohne Plan. Ich war zeitweise obdachlos, schlief ein paar Nächte am Bahnhof. Ich war zu dieser Zeit überzeugt, das Leben sei gegen mich. Alles war schuld, nur ich nicht, ich war in meiner Wahrnehmung ein Opfer des Lebens. So zumindest die damalige Sicht auf mich selbst.

Erst als ich buchstäblich am Boden war, kam der Wendepunkt. Nicht die Nächte am Bahnhof, waren der absolute Tiefpunkt, der kam etwas später. Dieser war aber auch gleichzeitig mein Aufrütteln.

Ich hinterfragte, warum ich so bin, wie ich bin, und was ich tun musste, um die Person zu werden, die ich eigentlich sein wollte. Ich war gnadenlos ehrlich zu mir selbst, legte mir einen Plan zurecht, um mein Leben in den Griff zu bekommen und ging die ersten Schritte los. Ich übte viele Jahre, die Geisteshaltung, ein Opfer des Lebens zu sein, abzulegen. Und so begann ich, mein Leben selbst zu gestalten, Stück für Stück.

Manchmal ist es schon erstaunlich, was in 20 Jahren alles so passieren kann. Es war ein langer Weg und die ersten Jahre dieses Prozesses waren alles andere als einfach. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mich Leute früher als Taugenichts beschrieben haben, wie sie mich abgeschrieben hatten. Wie ich mich selbst abgeschrieben hatte. Allerdings hatte ich Glück, noch einmal die Kurve zu kratzen, und mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit konnte ich mein Leben transformieren.

Ich habe berufsbegleitend die Handelsakademie abgeschlossen, einen Bachelor in Marketing & Sales sowie ein Masterstudium in Sales Management gemacht und habe derzeit das Glück an einer amerikanischen Universität einen Global Executive MBA zu absolvieren.

Beruflich durfte ich einiges erleben und lernen, mich weiterentwickeln und bin heute in einer sehr guten Situation würde ich behaupten, Privat sowie beruflich.

Ich engagiere mich ehrenamtlich und versuche, Menschen Mut zu machen, die in ähnlichen Situationen sind wie ich damals. Ich weiß, wie es ist, wenn alles aussichtslos erscheint. Aber ich weiß auch, es ist möglich, sich zu verändern. Nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt.

Ich konnte über einen sehr langen Weg aus einem schwer depressiven Jungen, mit Perspektivlosigkeit, eine Identität bilden, eines Menschen, der das Leben als Abenteuer betrachtet, Angstfrei ist und Leichtigkeit lebt.

Der weiß, dass es keine gerade Straße gibt. Aber dass man selbst der Kapitän ist, mit jeder Entscheidung, mit jedem Gedanken, mit jedem Tag.

Bleib neugierig. Bleib bei dir. Und geh deinen Weg.

Silviu Reghin